Andreas Komotzki

Transfiguration, 1995/2001

Irgendwo hat man sie doch schon einmal gesehen: den bedächtigen Mann mit Hut, die energisch vorwärtsschreitende Frauensilhouette. Mit seinem Titel „Transfiguration“ deutet Andreas Komotzki bereits an, dass seine großformatigen Figuren aus einem anderen Zusammenhang stammen. Und wahrscheinlich dauert es nicht lange, bis man diese Abstammung erkennt: die überlebensgroßen Metallsilhouetten haben ihren Ursprung in den Piktogrammen von Verkehrsschildern.

Ergänzung

Dabei besteht diese Transfiguration keineswegs nur darin, dass der Wuppertaler Künstler sie aus dem Straßengeschehen herausnimmt und dabei stark vergrößert. Die Motive haben als Skulpturen auch die dritte Dimension hinzugewonnen und sind damit für ihre Betrachter ein leicht überlebensgroßes Gegenüber. Zudem kann man die Skulpturengruppe durchqueren und umkreisen. Ihre unterschiedlichen Bewegungsrichtungen und die Dynamiken der drei Schreitenden machen sie zu einer gewissermaßen theatralen Szene. Komotzki verstärkt das durch ihre Positionierung. Auf ihrer erhöhten Position mitten im breiten Grünzug durch die neu geschaffene Wiley-Siedlung bilden sie den zentralen Blickfang für die gesamte Umgebung.

Kommentar

Signalfiguren sind Produkte der Gebrauchsgrafik und werden regelmäßig den aktuellen Sichtgewohnheiten angepasst. Dieses Schicksal hat auch die von Komotzki genutzten Figuren ereilt. Der leicht gebeugte Mann mit Hut, der als Hinabschreitender eine Unterführung anzeigt, ist als Verkehrslogo nicht mehr im Gebrauch. Tausendfach wahrgenommen, existiert er jedoch in der kollektiven Erinnerung fort. Das prominenteste Beispiel eines solchen Wandels sind wahrscheinlich die Ampelmännchen in den beiden ehemaligen deutschen Staaten. Als populäre Erinnerung hat die östliche Version dieses Verkehrszeichens inzwischen Kultstatus und ist auch in Neu-Ulms Innenstadt zu finden. „Transfiguration“: der Titel der Arbeit kann auch mit dem Abnutzungsprozess und dem Verbrauch solcher Piktogramme in Verbindung gebracht werden. Die großformatigen Figuren von Komotzki bergen sehr viel mehr Potential, als man auf den ersten Blick ahnen mag. Wie die Figuren der Piktogramme nicht ewig bleiben, sondern ersetzt werden, wandelt sich auch das Verhalten von Verkehrsteilnehmern. Mittlerweile gibt es Logos, die vor abgelenkten Handynutzern warnen.

Impuls

Hat Komotzki die Figuren der Verkehrsschilder eigentlich linear vergrößert oder gibt es Veränderungen? Kann man vermuten, wie alt die dargestellten Personen sind – auch wenn man sie nur als Silhouette sieht? Hat es die Frauenfigur jemals so gegeben? Welche Silhouetten könnten auf Verkehrsschildern der Zukunft noch auftauchen?

Zweiter Blick

Eine Bühne im Peter-Biebl-Park?

Seitenblick

Über das neue Quartier Wiley und seine Geschichte informiert eine Informationsstele der "Stadtgeschichten Neu-Ulm". Auf dem Weg zur nächsten Station fällt der signifikante Wasserturm aus der Zeit des ehemaligen amerikanischen Militärstandorts Wiley (1951-1991) ins Auge.

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