Ben Muthofer

Dreiecksvariation 5/83, 1983

Ben Muthofer wird der konkret-konstruktiven Kunst zugerechnet. Seine Plastiken gehen stets von bewusst reduzierten Grundlagen aus: dem Dreieck, der weißen Farbe, der gefalteten Fläche. Von dieser Basis aus „entfaltet“ sich – buchstäblich! – ein weites Spektrum an Möglichkeiten, das die Skulpturen des Ingolstädter Bildhauers zu einer überraschenden Vielfalt geführt hat. Seine zumeist hoch aufragenden, stelenartigen und mehrteiligen Skulpturen entstehen aus Stahlblechen, deren gefaltete Flächen sich zu voluminös wirkenden Formen entwickeln können. Für die Oberflächen verwendet Muthofer weiße Farbe. Das bringt die Änderungen zwischen Licht und Schatten im Laufe der unterschiedlichen Tageszeiten deutlicher zur Geltung. Das jeweils vorhandene Licht wird so zu einem bestimmenden Element der Arbeit.

Ergänzung

Muthofer hat sich mit Origami beschäftigt, der fernöstlichen Kunst des Papierfaltens. Dass sein schweres Material oft leicht wirkt, liegt nicht nur an der weißen Farbe. Auch die Herkunft seiner Formen aus einfach vorstellbaren Faltprozessen trägt zu dieser Wirkung bei. Seine „Dreiecksvariation 5/83“ in Neu-Ulm variiert diese Grundidee zu einem Spiel zwischen Fläche und Volumen. Wer den Verlauf der drei Elemente von unten nach oben verfolgt, kann sehen, dass sich das Verhältnis zwischen Flächen und Volumina mit zunehmender Höhe ständig verändert. Wie wichtig für Muthofer Licht als Element ist, lässt sich auch daran ablesen, dass er für viele seiner Arbeiten zusätzliche Lichtquellen installiert. Licht ist – neben der Farbe – auch in Innenraumarbeiten sein wesentliches Thema. Das hat ihn unter anderem dazu veranlasst, auch Reliefs zum Abdecken von Flachbildschirmen zu entwickeln.

Kommentar

Man sollte die Skulptur Muthofers mehrfach umschreiten. Viele unterschiedliche Perspektiven tun sich da auf: Sie sieht aus jeder Ansichtsseite anders aus. Fast wirkt es, als ergäbe sich da ein Tanz zwischen den drei Stelen mit ihren aus der Geometrie des Dreiecks entstandenen Formen. Dass Bäume, die wie aus dem Boden gewachsene Skulpturengruppe in Neu-Ulm umgeben, wirkt sich aus: Auf den weißen Oberflächen entstehen Schattenbilder. Auch die proportionalen Verhältnisse der Skulpturen und ihrer natürlichen Umgebung erzeugen ein Wechselspiel.

Impuls

Es ist interessant, sich Querschnitte der Elemente vorzustellen oder sogar die entstehenden Dreiecke auf unterschiedlichen Höhenniveaus der Stelen festzuhalten. Dadurch kann ein neuer Blick auf die Konstruktion und die Entwicklung der Skulptur entstehen. Wäre es möglich, eine solche Skulptur auch aus Papier zu falten? Wie müsste dann das Ausgangsformat sein?

Zweiter Blick

Detail: oberer Abschluss

Seitenblick

Eine weitere Arbeit von Ben Muthofer können Sie im Edwin Scharff Museum am Petrusplatz sehen.

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