Erwin Wortelkamp

G.I.A.C.O., 1973

„Jedem Erkennen geht ein Wahrnehmen voraus.“ So sagt es der Westerwälder Bildhauer Erwin Wortelkamp in einem Interview. Zahlreiche seiner Skulpturen kann man unter solchen Aspekten betrachten. „G.I.A.C.O.“, seine Eisenskulptur neben dem Edwin-Scharff-Haus erinnert auf den ersten, distanzierten Blick an einen stehen gebliebenen Baumstumpf. Erst bei näherer und längerer Betrachtung zeigt sich die Konstruktion als ein Gebilde, das aus vielen Schichten besteht.

Ergänzung

Je näher man die Skulptur betrachtet, desto mehr fällt Wortelkamps Materialwahl ins Gewicht. Die Eisenbleche sind stark angerostet, ihre ehedem wohl glatte Oberfläche zeigt deutliche Spuren des Verwitterungsprozesses. Wo der Bildhauer diese massiven Metallflächen geschnitten oder wie einen Blätterteig gefaltet hat, wirkt das wie ein Prozess, den man sonst mit Papier in Verbindung bringen würde.

Kommentar

„Vielleicht ein Baum“ heißt eine Skulptur Erwin Wortelkamps, die er für seinen weitläufigen Kunstpark „Skulptur im Tal“ geschaffen hat. Sie bekrönt einen Hang, den man auf dem Gelände schon von Weitem sieht. Wie seine Eisenskulptur „G.I.A.C.O.“ in Neu-Ulm markiert sie ein grundsätzliches Thema des Künstlers: den Bezug einer Skulptur zu ihrem Umraum. Aber mit der Nähe zum Edwin-Scharff-Haus und zum Donauufer hat Wortelkamps Neu-Ulmer Skulptur durchaus andere Bezugpunkte in ihrer Umgebung und lässt so auch andere Zusammenhänge entstehen.

Impuls

Wenn man versuchen würde, ein Modell von Wortelkamps Plastik nicht aus Metall zu machen – welches Material käme dann in Frage?
Auch bei der Kunstbetrachtung kann es sein, dass wir Neuland betreten müssen. Wo darf unsere Wahrnehmung auf bekannte Muster zurückgreifen? Wo ist unser analytischer Blick gefragt?

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