Eugen Frey

Rossebändiger, um 1937

Der Böblinger Bildhauer Eugen Frey schuf Mitte der 1930er-Jahren den „Rossebändiger“. Man kann annehmen, dass die Skulptur entstanden ist, als die Ludendorff-Kaserne gebaut wurde. Auftragswerke, die im Rahmen von Baumaßnahmen entstehen (die sogenannte „Kunst am Bau“) folgen gesetzlichen Verordnungen, die bis in unsere Zeit gelten.

Ergänzung

Dargestellt ist ein muskulöser Mann, der die Zügel eines sich aufbäumenden Pferdes ergriffen hat, um es im Zaum zu halten. Zahlreiche Bildwerke und Skulpturen aus der Zeit des Nationalsozialismus zeigen sportliche Tätigkeiten oder Anklänge an antike Vorbilder. Sie reihen sich in ein klar vorgeschriebenes Kulturverständnis ein. Bei der hier besprochenen Skulptur etwa finden sich Anlehnungen an den antiken Rossebändiger auf der Piazza del Quirinale in Rom. Manche Werke stellen heraus, was als vorbildlich gelten sollte: heldenhafte starke Männer, die alle Widrigkeiten überwinden, anmutige Frauen in häuslicher oder ländlicher Idylle. Formale Entwicklungen des frühen 20. Jahrhunderts, wie die Abstraktion oder expressive Gesten, ignorierte diese Kulturpolitik oder bekämpfte sie als „kulturbolschewistisch“ oder „entartet“.

Kommentar

Interessanterweise arbeitete Edwin Scharff 1937 ebenfalls mit dem Motiv der Pferdebändiger. Sein Entwurf, der zur Ausstellung „Schaffendes Volk“ in Düsseldorf entstand, zeigt einen Mann, der in ruhiger Bewegung ein Pferd am Zügel führt. Doch Mensch und Natur sind hier Partner, es geht um die Einheit zwischen Mann und Pferd, nicht um ein muskulöses Kräftemessen.

Impuls

Es lohnt, um die Figurengruppe herumzugehen und einige Aufnahmen oder Zeichnungen anzufertigen. Gibt es Perspektiven, von denen aus das dramatische Geschehen besonders deutlich in Szene gesetzt ist? Gibt es auch „schwache“ Perspektiven? Was werden wohl die Soldaten gedacht haben, die damals ihre neue Kaserne bezogen haben?

Zweiter Blick

Situation um 1937, Fotograf unbekannt.

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