Klaus Goth

Ohne Titel, 2005

Anstelle der vier aus den 1930er-Jahren stammenden Kasernengebäude der „Nelson-Barracks“ sind seit den 1990er-Jahren Neubauten für Polizei, Feuerwehr und das Finanzamt entstanden – und gemeinsam mit ihnen Kunstwerke. Den Wettbewerb für das Polizeigebäude gewann der Entwurf des Augsburger Künstlers Klaus Goth. Er schuf Gruppen von Stelen aus Winkelstahl: fünf kleinere vor dem Haupteingang zur Reuttier-Straße hin, zwei im Foyer und zehn längere auf der Rückseite des Gebäudes. Die Konstruktion der einzelnen Elemente ist dabei jeweils gleich: an der Außenseite des Stahlwinkels hat Goth Corten-Stahl verwendet, dessen Oberfläche rostet, auf der Innenseite glänzenden Edelstahl.

Ergänzung

Klaus Goth schuf sein Skulpturen-Ensemble mit Bezug auf die konstruktiv-elegante Architektur des Polizeigebäudes. Beide Stelen-Gruppen ermöglichen quer durch das verglaste Foyer eine Sichtbeziehung zueinander. Der Farbklang aus der rostigen Oberfläche und dem glänzenden Inneren der Stahlwinkel nimmt die Farben von Holz und Metall auf, die in der Architektur verwendet worden sind.

Kommentar

Die am Eingang angeordneten kleinsten Stelen sind vereinzelt postiert und richten sich weder am Raster der Pflasterung noch an Linien der Architektur aus. Auf der Rückseite bilden die Stelen größere Gruppen. Hier umstellt eine aufgelockerte Anordnung von Elementen einen dichter gesetzten Kern. Bei aller ungegenständlichen Abstraktion der einzelnen Formen kann man bei Goths Installation an soziale Konstellationen denken: an die Rudelbildung bei zwischenmenschlichen Konflikten etwa oder an den menschlichen Schutzschild um bedrohte Personen. Schließlich nimmt die Polizei in solchen Zusammenhängen ihre Aufgaben wahr.

Impuls

Corten-Stahl, der rostet, Pflanzen, die wachsen – mit welchen Prozessen muss ein Künstler rechnen, wenn er eine Plastik für den Außenraum schafft? Polizisten betreten täglich dieses Gebäude. Wie erleben sie wohl dieses Kunstwerk?

Zweiter Blick

Planskizze

Seitenblick

Vor dem gegenüber liegenden Gebäude, dem Finanzamt Neu-Ulm, befindet sich die Skulptur "Kerbhölzer". Der Oettinger Künstler Fred Jansen schuf sie 1999, ebenfalls als Kunst am Bau.

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