Osamu Nakajima

Hommage á Edwin Scharff, 1987

Eine Steinstele aus schwarzem Granit: Blockhaft wirkt Osamu Nakajimas „Hommage à Edwin Scharff“ von Weitem. Erst bei näherer Betrachtung fällt auf, dass seine Skulptur vor dem Edwin-Scharff-Haus wie aus einzelnen Steinschichten montiert wirkt. Wer sich noch weiter nähert, dem werden die fein eingeschnittenen Linien zwischen diesen Schichten ins Auge fallen. Wie eine Konstruktionszeichnung umziehen sie den Körper der Skulptur – und machen dabei klar, dass es sich keineswegs um eine Schichtung, sondern um einen zusammenhängenden Steinblock handelt.

Ergänzung

Seit den späten 1960er-Jahren hatte sich der 1937 geborene, japanische Bildhauer in Österreich niedergelassen und immer wieder an Bildhauer-Symposien teilgenommen. Hier diskutierten die Teilnehmer grundsätzliche Fragen des Materials und setzten ihre Ideen in Formen um. Die dort kultivierte Auseinandersetzung mit dem Stein, der Geometrie oder der Umgebung kann man den Werken oft ansehen. In Nakajimas Werk ist der schwarze Granit eine wesentliche Konstante. Die Möglichkeiten des Materials lotete der 2013 verstorbene Bildhauer immer wieder aus: In welche Form bringe ich diesen dunklen und harten Stein, dessen polierte Oberfläche fast wie ein Spiegel wirken kann? Wie kann ich ihn schneiden? Was ist von seinem Volumen spürbar?

Kommentar

Das bildnerische Vokabular von Edwin Scharff, der stets figürlich arbeitete, und Osamu Nakajimas ungegenständliche Formen unterscheiden sich in der Grundausrichtung deutlich. Warum könnte diese Granitskulptur als eine Widmung die Verbindung zwischen beiden Bildhauern suchen? Zumindest die große Konsequenz, mit der beide Bildhauer ihre zentrale Idee durch ihr gesamtes Werk verfolgt haben, ist vergleichbar. Eine weitere Möglichkeit bietet der Vergleich mit Bildhauern im Umfeld des Edwin-Scharff-Hauses wie Christoph Freimann oder Ben Muthofer. Sie lassen ihre Arbeiten durch das Zusammenfügen mehrere Elemente entstehen. Dagegen gehen sowohl Scharff als auch Nakajima von der Grundvorstellung eines blockhaften Volumens aus: der eine vom menschlichen Körper, der andere vom Stein. In der Konsequenz davon spielt die Behandlung der Oberfläche jeweils eine besondere Rolle. Um das Tagungshaus, welches Edwin Scharffs Namen trägt, ergibt sich bei längerer Betrachtung eine Diskussion grundsätzlicher bildhauerischer Fragen – genau wie bei einem Bildhauer-Symposium.

Impuls

Welche Rolle nehmen die feinen Linien auf den Oberflächen gegenüber dem blockhaften Volumen des Steins ein? Könnte man sich diese Skulptur auch als Brunnen vorstellen?

Zweiter Blick

Details der Oberflächengestaltung

Alphabetische Übersicht