Uli Pohl

Zwei Kreisscheiben "Hommage an Max Bill", 2000

Wer sich dem Zentrum Neu-Ulms bei hellem Sonnenschein über die Schützenstraße nähert, wird kaum über die großformatige Skulptur von Uli Pohl hinwegsehen können. Die auf einem massiven Granitsockel gelagerte Konstruktion täuscht das räumliche Volumen einer Kugel vor. Sie erzielt diesen Eindruck durch den genau kalkulierten Einsatz weniger Edelstahlscheiben. Der Blausteiner Künstler entwickelte die Skulptur, indem er Segmente von Kreisscheiben zu dieser runden Form kombinierte. Aus Lichtreflexen entsteht ein spannungsvolles Spiel zwischen den Flächen und Winkeln der einzelnen Kreissegmente. Verstärkt wird es durch die wechselnden Aspekte von Licht und Schatten, die der Betrachter erfährt, wenn er sich um die Skulptur herum bewegt.

Ergänzung

Dass Uli Pohl die Arbeit Max Bill widmet ist kein Zufall: Segmentierte geometrische Grundformen, das Ausreizen der Wirkungen von glatten Oberflächen und ein wohl kalkulierter Einsatz von Materialien verbinden beide Künstler. Das besondere Interesse an Lichtwirkungen brachte Pohl schon früh in Kontakt mit der Düsseldorfer Zero-Gruppe, für die Licht und Bewegung Grundmaterialien bildnerischer und skulpturaler Arbeit sind. Pohl hat das besonders durch seine Plexiglasobjekte weiter verfolgt, in denen sich der Umraum spiegelt und dessen Lichtspiel sich im Lauf eines Tages wandelt.

Kommentar

Kugelformen sind für Kunst im öffentlichen Raum keine Seltenheit. In seinem Essay „Die Kugeln in unseren Köpfen“ hat sich der Berliner Satiriker Max Goldt 1995 auch über dieses in Fußgängerzonen verbreitete Phänomen amüsiert geäußert und beherzt aufgenommene Amateurfotos dieser Spezies geliefert. Uli Pohls Skulptur spielt mit der Universalform der Kugel. Im Gegensatz zu den materiell in aller Regel massiv ausgeführten Kugeln erzeugt Pohl den Eindruck jedoch über eine sehr genau kalkulierte Konstruktion und einen verblüffend geringen Einsatz von Material. Beide Merkmale unterscheiden seine Arbeit in Neu-Ulm deutlich von den bei Goldt angesprochenen Kugeln – davon abgesehen, dass die Form der Kugel ja in diesem Fall tatsächlich nur in Anschauung und Vorstellung der Betrachter entsteht – also in unseren Köpfen.

Impuls

Man sollte die Skulptur von Uli Pohl unbedingt einmal umkreisen. Nicht nur die wechselnden Aspekte des Volumens kommen dann zum Tragen, sondern auch das Spiel zwischen den einzelnen Kreissegmenten. Kann es wirklich sein, dass Pohl seine Konstruktion lediglich aus der Kombination von zwei Kreisscheiben zusammengesetzt hat? Man kann eine Antwort versuchen, indem man die einzelnen Segmente nachzählt. Aber auch eine eigene Zeichnung kann da helfen oder die Rekonstruktion mittels Papier und Schere.

Zweiter Blick

Detail der Lichtspiegelung im Inneren der Skulptur

Seitenblick

Eine Plexiglasskulptur von Uli Pohl können Sie im Edwin Scharff Museum am Petrusplatz sehen.